Vorehelicher Sex
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Vorehelicher Sex

„Dass voreheliche geschlechtliche Beziehungen die Wahl des richtigen Lebenspartners eher erschweren als erleichtern.“ (Hl. Papst Johannes Paul II)

min Lesezeit | Bernhard Meuser

Was ist das?

Unter „vorehelichen sexuellen Beziehungen“ versteht man die Beziehung eines Paares, in der ein junger Mann und eine junge Frau bereits miteinander schlafen, ohne dass sie sich endgültig füreinander entschieden haben. Nicht weil sie leibfeindlich wäre oder Jugendlichen den Spaß am Sex verderben möchte, empfiehlt die Kirche nachdrücklich, volle sexuelle Beziehungen erst dann aufzunehmen, wenn alles beieinander ist: Liebe und Lust, vollkommene Treue, eine vor Gott getroffene exklusive Entscheidung füreinander und die Bereitschaft Kindern das Leben zu schenken. Die Kirche ist nur dann die große Beschützerin der Liebe, wenn sie an diesem Punkt klar spricht. Miteinander schlafen ist nicht nur ein lustvoller Ausdruck zärtlicher Zuwendung; es kann auch heißen, dass man (trotz „todsicherer Verhütung“) einem Kind das Leben schenkt, das dann vielleicht die Geborgenheit eines Elternhauses mit Vater und Mutter entbehren müsste. Auch zeigt die Erfahrung, „dass voreheliche geschlechtliche Beziehungen die Wahl des richtigen Lebenspartners eher erschweren als erleichtern.“ (Hl. Papst Johannes Paul II).

Was sagt die Heilige Schrift?

Die Heilige Schrift sagt nichts zu diesem Thema, weil es in der Zeit Jesu selbstverständlich war, dass man vor der Ehe nicht zusammenlebte. Umso deutlicher wird schon im ersten Buch der Heiligen Schrift die Bedeutung der Ehe hervorgehoben: Weil es „nicht gut“ ist, „dass der Mensch allein ist“, will Gott ihm „eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist“ (Gen 2,18); und darum „verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch.“ (Gen 2,24). Jesus verstärkt diese so plastisch ausgedrückte Einheit („ ... ein Fleisch...“) noch einmal, indem er einen Satz hinzufügt, der zu einer Art Felsgestein christlichen Denkens über die Ehe geworden ist: „Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen." (Mt 19,6). Im erotisch-sexuellen Einswerden - der Hochzeit also – entsteht etwas komplett Neues, eine Einheit, die nicht mehr aufspaltbar ist. Es ist zugleich die existenzielle Wendemarke im Leben eines Mannes und seiner Frau, wie es etwas Göttliches ist. Gott verbindet die beiden, er schafft einen Bund, in den er selbst mit eingeht und diesen Bund für unauflöslich erklärt. Die Ehe wird zugleich zum „Sakrament“, zum heiligen Zeichen für etwas noch Größeres: Menschen sollen darin sehen, wie unauflöslich tief sich Gott seinem Volk und Christus sich der Kirche verschrieben hat. Darum weißt die Kirche immer wieder darauf hin, dass Sex kein Spielzeug ist für Leute, die gerade Lust aufeinander haben. Sex ist das verbindlichste Signal der Körpersprache und das Gegenteil von „unverbindlich“. Vorehelich, außerehelich, nebenehelich ... das zeigt nur an, dass Menschen noch (oder nicht mehr) nicht auf der Höhe der Liebe sind, für die Gott sie geschaffen hat.

Die kleine YOUCAT-Katechese

Der Garten der Königin

Ein Bischof, mit dem ich mich über Katechese unterhielt, war offenkundig kein Freund von Katechismen – und auch nicht vom Jugendkatechismus: „Der YOUCAT ist doch nicht auf der Höhe der Zeit“, meinte er. „Was meinen Sie damit?“, wollte ich von ihm wissen. „Ja, was da über vorehelichen Sex steht, daran hält sich heute doch kein Mensch mehr!“ Ich fand diese Ansicht nicht wirklich überzeugend. Wenn es zum Beispiel wahr ist, dass man ein Kind nicht schlägt, dann ist das wahr, ob einer, alle oder gerade niemand Gewalt gegen Kinder anwendet. Auch der etwas ältere schweizerische Pfarrer, der einen jungen Besucher aus Polen darüber belehrte, man sei in der katholischen Schweiz in Sachen Homosexualität und vorehelicher Beziehung doch etwas weiter als bei ihm in seiner Heimat, hat Runzeln auf meiner Stirn erzeugt. Diese netten älteren Herren, die ein bisschen zwinkern und meinen, das käme gut an bei der übernächsten Generation!

Aber was bedeutet YOUCAT 407 Aber was steht denn nun in YOUCAT 407, wo es um die Frage geht, warum in der Lehre der Kirche nach wie vor gewisse Warnlampen angehen, wenn junge Leute einfach so miteinander ins Bett gehen? Warum ist das so? Die Antwort lautet: „Weil sie die Liebe schützen möchte. Ein Mensch kann einem anderen kein größeres Geschenk machen als sich selbst. ‚Ich liebe dich‘ heißt für beide: ‚Ich will nur dich, ich will dich ganz und ich will dich für immer!‘ Weil das so ist, kann man: ‚Ich liebe dich‘ eigentlich nicht auf Zeit oder auf Probe sagen, auch nicht mit dem Körper.“ Und dann steht da noch: „Viele meinen es ernst mit ihren vorehelichen Beziehungen. Und doch sind darin zwei Vorbehalte, die sich mit der Liebe nicht vertragen: Die ‚exit option‘ und die Angst vor einem Kind. Weil die Liebe so groß, so heilig und so einmalig ist, bittet die Kirche die jungen Menschen eindringlich, mit der Aufnahme voller geschlechtlicher Beziehungen so lange zu warten, bis sie verheiratet sind.“ Ist das unvernünftig? Nein. Ist das eine Überforderung? Für einige, vielleicht sogar die meisten: vielleicht.

Am Tor ihres Gartens ...

... stand einmal eine schöne junge Königin. Eines Tages klopfte ein junger Mann bei ihr an und verlangte Einlass. Die Königin fand Gefallen an ihm und sagte: „Ich lasse dich ein. Komm! Ich schenke dir, was ich habe, den Raum und die Zeit, mein Reich und meine Liebe. Du bist stark und wirst die Grenzen unseres Gartens schützen. Gemeinsam werden wir ihn pflegen, von seinen Früchten leben und mit den Bäumen alt werden. Unsere Kinder werden im Garten spielen und wir werden es gut darin haben. Aber wisse: Du wirst diesen Garten nie mehr verlassen!“ Da verfinsterte sich das Gesicht des jungen Ritters und er sagte: „Ich wollte dich besuchen und mit dir spielen. Aber ich wollte nicht zu deinem Gefangenen werden. Es gibt so viele Gärten auf der Welt, die ich alle nicht gesehen habe.“ – „Du hattest die Wahl“, sagte die Königin und wandte sich ab.

Das ist nur ein Märchen. In der Wirklichkeit unserer Tage sagt der junge Mann: „Du willst es doch auch!“ Die schöne junge Königin hat Angst davor, dass sich vielleicht niemals mehr ein wirklicher Ritter zum Gartentor verirrt. Sie öffnet ihm die Tür, und die beiden spielen miteinander. Sie lassen es sich gutgehen, bis sich der junge Mann daran erinnert, dass es weitere Gärten geben könnte, in denen etwas zu holen ist.

Nach dem dritten Ritter dieser Sorte verwandelt sich auch die schöne junge Königin – sie vergisst den königlichen Garten und „will es auch“. Wahr bleibt trotzdem: Im Grunde ist jede Frau eine Königin und verdient es wie eine Königin behandelt zu werden. Und eigentlich steckt in jedem Mann ein heimlicher Ritter, der es verdient, wie ein Ritter gefordert zu werden.

Der verschlossene Garten

Im erotischsten Buch der Heiligen Schrift - im Hohelied Salomos - spielt der Garten eine wichtige Rolle; da heißt es: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, ein verschlossener Born, ein versiegelter Quell.“ (Hld 4,12) Der Garten ist ein Bild für den inneren Reichtum einer junge Frau, die noch „verschlossen“ ist, sich also noch keinem Mann hingegeben hat. Sie möchte die Schätze ihrer Liebe durchaus nicht für sich behalten; sie hat Sehnsucht nach dem Spiel der Liebe und der Vereinigung, und sie spricht: „Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse von seinen köstlichen Früchten!“ (Hld 4,16) Und tatsächlich gibt es die Verheißung aller Köstlichkeiten – „Myrrhe ... Honig ... Wein ... Milch ... Esst, Freunde, trinkt, berauscht euch an der Liebe!“ (Hld 5,1)

Dass damit nicht die ideologischen Prinzipien der Sexuellen Revolution gemeint sein können, versteht sich. Diese Ideen, mit denen gerade die Welt geflutet wird, sind nicht für Königinnen und Ritter gemacht, sondern für Menschen, die sich die romantische Liebe abgeschminkt haben. Versprochen wird (allen, die mitmachen) ein neues Level von Glück. Vergesst alles - sagen die von der Sexuellen Revolution - was ihr über Mann, Frau, Liebe, Ehe, Kinder, Anstand, Moral, Gott und Verantwortung gehört habt! Es gibt den reinen, puren Sex! Den Sex, den alle suchen – die Kinder, die Jugendlichen, die Erwachsen, die Alten! Gebt es doch zu! Hinter eurer unschuldigen Fassade wollt ihr alle doch nur eins: das Maximale an Lust! Also: Macht euch locker! Spielt rum! Probiert euch aus! Vereinbart, was euch Spaß macht! Wenn ihr dann noch Liebe, Ehe, Kinder, Anstand, Moral und Verantwortung braucht – bitteschön, niemand hindert euch daran!

Das „Drumherum“ für ein Wunder

Eine Frau, die ein noch „verschlossener Garten“ ist, erscheint in dieser Perspektive wie ein Witz. Tatsächlich haben manche Girlies zwischen 12 und 16 heute kein größeres Problem, als die Frage, wie sie den lächerlichen Status einer Jungfrau möglichst schnell loswerden. Das ist „technisch“ kein Problem und geht in der Regel schnell. Allerdings wundern sich die Mädchen oft, dass sie statt eine Erfahrung zu erwerben, eine Wunde geschlagen bekommen, die sie seelisch tief und nachhaltig verletzt. Die pornogeschulten Halbwüchsigen, die dumme Mädels in Serie zur Frau machen, ahnen nichts vom „verschlossenen Garten“; und sie wissen manchmal nicht einmal, dass eine Frau eine Gebärmutter hat und dass ihr tiefstes Geheimnis darin besteht, dass dieses rätselhafte Wesen, an dem man sich gerade 10 Minuten vergnügt, Raum hat in sich – Raum für einen anderen Menschen, der noch nicht da ist. Sie ist das „Drumherum“ für ein Wunder.

Damit ein Kind auf die Welt und in den mütterlichen Leib kommen kann, braucht es den Mann. Und es braucht, indem der Penis des Mannes in die Vulva eindringt, eine „Verletzung“ der leiblichen Integrität der Frau. Eine kluge Frau hütet den „verschlossenen Garten“ mit Recht wie einen Schatz. Nur die Liebe mit einem sorgsam ausgesuchten und auf Herz und Nieren geprüften Mr. Wright macht, dass die kostbare Unverletztheit der Frau durchbrochen werden darf. Nur in der Liebe ist es so, dass dieser verwundende Durchbruch von der Frau herbeigesehnt wird. Denn durch eine Wunde der Liebe kommt das Wunder des Lebens zustande.

Nur in Liebe, die diesen Namen verdient, ist Sex keine illegitime Grenzüberschreitung. Und jeder „Gebrauch“ eines Menschen ohne diese Liebe ist Missbrauch. Gott hat ist der Erfinder des menschlichen Bauplans; er hat elementare Antriebe in Menschen hineingelegt, die bewirken, dass sich schöne Frauen und starke Männer nacheinander sehnen und sich lustvoll vereinigen möchten. Aber man darf Gott nicht für so fantasielos halten, als hätte er Menschen dazu nur mit einem gehörigen „sex drive“ versehen. Gott hat das Verlangen nach Lust eingebettet in etwas viel Größeres – in die Liebe nämlich. Noch fantasievoller: ... in die Liebe, wie Frauen sie auf ihre eigene Art brauchen und schenken können. Und in die Liebe, wie Männer sie auf ihre Weise brauchen und schenken können

"Frauen sind anders - und Männer auch ..."

lässt der deutsche Humorist Loriot (1923-2011) einen hilflosen Vater stammeln, der seinen Sohn aufklären möchte. Wie recht er hat. Wie lieben denn Frauen? Frauen wollen gesehen und erkannt werden; deshalb machen sie sich so schön, dass Männer die Augen nicht mehr von ihnen lassen können. Sie sind Wesen mit einem Traum von Zukunft, Schönheit, Wohnlichkeit, - und einem Garten, in dem Kinder wachsen und glücklich sind. Der Schlüssel zu dieser Vision ist ein starker Mann. Gute Gene soll er haben und die Tatkraft ausstrahlen, mit ihr im Teamwork eine neue, faszinierende Realität zu schaffen. Sie will ihm zutrauen können, dass er notfalls eine hohe Mauer um ihre gemeinsame Intimität und ihr kinderfertiges Nest errichtet. Das Projekt Kinder setzt für mindestens für zwei Jahrzehnte Stabilität und ein sicheres Milieu voraus. Mit einem infantilen Bubi ist das nicht zu machen.

Frauen sind mehr wie Innenarchitekten, die schon wissen wir das Kinderzimmer aussieht, obwohl sie den Architekten noch nicht kennen. Männer sind mehr wie Architekten. Sie interessieren sich nicht so sehr für Bettwäsche und Blümchentapeten. Sie wollen etwas errichten, was Respekt verdient. In jedem Mann steckt zudem ein kleiner Eroberer. Wird dieser „Eroberer“ nicht von einer klugen Frau gezähmt, wird Erobern zum Selbstzweck. Ein solcher Mann hinterlässt lauter eingenommene Ruinen.

Eine Frau, die weiß, was sie wert ist, lässt sich so von ihrem Mann erobern, dass er „angekommen“ ist, dass er nicht mehr ruhelos von Gartentor zu Gartentor herumstreifen und keine weiteren Trophäen mehr sammeln muss. Richtig starke Männer finden stolze und schöne Frauen unwiderstehlich. Das Dümmste, was junge Frauen tun können, ist, sich widerstandslos erobern zu lassen. Und manchmal ist die beste sexuelle Erfahrung für einen jungen Mann, der die Finger nicht bei sich lassen kann, eine Ohrfeige.

Wenn die „Königin“ dem „Ritter“ aber signalisiert: „Du kannst mich vielleicht haben. Aber es kostet dich dein Leben“ – dann lernt ein junger Mann, dass ihn die Liebe nicht ein Kinoticket und ein paar Blümchen aus dem Supermarkt kostet. Dann muss er für die Frau, die es wert ist, alles geben. Und einsteigen in das Projekt Ehe und Familie.

Auf die Reihenfolge kommt es an

Früher lernte man sich kennen. Dann befreundet man sich. Dann verliebte man sich. Dann machte man die Liebe öffentlich. Dann holte man Gott ins Boot und heiratete („... bis dass der Tod euch scheidet“). Dann hatte man richtigen Sex. Dann kamen die Kinder. Es war eine geniale Reihenfolge für das Glück. Heute ist es oft so, dass man erst Sex hat. Dann kommt ein Kind. Dann lernt man sich kennen. Dann ent-liebt man sich. Und dann teilt man seinen Freunden per Smartphone mit, dass „wir aber gute Freunde bleiben“.

Dass die Reihenfolge aus verschiedenen Gründen durcheinandergeraten ist, weiß auch der Papst: „In manchen Ländern werden viele junge Menschen häufig […] durch Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art, durch Probleme, die das Arbeitsleben betreffen, oder durch das Studium veranlasst, die Hochzeit zu verschieben. Manchmal geschieht dies auch aufgrund anderer Motive: aufgrund des Einflusses von Ideologien, die Ehe und Familie abwerten; der Erfahrung des Scheiterns anderer Ehepaare, das sie nicht riskieren wollen; der Furcht vor etwas, das sie als zu groß und zu heilig empfinden ...“ (Amoris Laetitia, 40)

Es kann für junge Leute unglaublich schwer sein, sich körperlich nacheinander zu sehnen und mit der vollen Vereinigung warten zu sollen bis zur Hochzeit. Aber es ist die einzig senkrechte Lösung. Sex ist gewissermaßen Hochzeit. Und für eine richtige Hochzeit kann man nichts entbehren, was wirkliche Liebe ausmacht – die Sicherheit, das Lebenslange, die Entscheidung einander niemals mehr zu verlassen. Und wenn man nach einer wilden Nacht im Club einfach mal am falschen Ende anfängt, können Verletzungen entstehen, die kaum noch zu heilen sind. Denn wenn der eine oder die andere dann doch nicht halten kann, was er oder sie mit dem Körper verspricht, ist es eine Lüge von Hochzeit. Normalerweise folgen dann viele Lügen von Hochzeit: Bettgeschichten. Projekte unter Vorbehalt. Liebe auf Zeit.

Hochzeit ist das Größte. Etwas Einmaliges im Leben. Hochzeit kann man nicht beliebig oft wiederholen. Es empfiehlt sich, das einmal und nie wieder zu tun. Mit einem Menschen. Für immer. ∎